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Tausendjährige Thunerseekirchen

Weitherum bekannt sind die tausendjährigen Thunerseekirchen. Elogius Kiburger erwähnt sie in seiner Stretlinger Chronik aus dem Jahr 1453. Er war damals Pfarrer in Einigen. Rudolf II. (+937) König von Burgund und Lombardei soll zusammen mit seiner Gattin Berta oft Gast bei den Herren von Strättligen im Goldenen Hof zu Spiez gewesen sein. Wegen eines immer wiederkehrenden Traumes wiesen ihn diese an den Pfarrer von Einigen. Er deutete den Traum Rudolfs dahin, dass dieser vom Himmel den Auftrag erhalte, rings um Einigen 12 Kirchen zu bauen, und zwar: Frutigen Leissigen, Aeschi, Wimmis, Uttigen, Thierachern, Scherzligen, Thun, Hilterfingen, Sigriswil, Amsoldingen und Spiez.
Die Kirche von Uttigen brannte 1536 nieder und wurde nicht wieder aufgebaut.
Archäologische Untersuchungen in den besagten Kirchen ab Mitte des 20. Jahrhunderts haben Interessantes ergeben: zum Beispiel die erste Kirche von Thun wurde tatsächlich im 10. Jahrhundert gebaut, während bei andern im 10. Jahrhundert Erweiterungen festgestellt werden konnten. Kurz: Einen wahren Kern hat die Stretlinger Chronik, hingegen gelang es Elogius Kiburger nicht, Einigen zur zentralen Mutterkirche zu machen.
Ausser den in der Stretlinger Chronik erwähnten gibt es noch weitere sehenswerte Kirchen in diesem Gebiet. Wir möchten Sie auch auf diese hinweisen. 

Kirche Einigen

Kirchen mit noch heute sichtbarer alter Bausubstanz

Einigen (St. Michael), evang.-ref., rest.  1954/55 
10./11. Jh. Schiff und Chor-Apside frühromanisch (lombard. Einfluss). Erste Kirche: spätes 7. Jh.

Scherzligen (Unsere liebe Frau), evang.-ref., rest. 2002/03
10./11. Jh. romanisches Schiff, 1380 gotisches Chor. Reich bebildert mit Malereien vom 13. bis 16. Jh. Kugeltaufbecken: 13. Jh. Erste Kirche: um 500? Erstmals erwähnt: 762.

Kirche Scherzligen

Schlosskirche Spiez (St. Laurentius), evang.-ref., rest. 1949/50
Um 1000/ erste Hälfte 11. Jh. Frühromanische, dreischiffige Pfeilerbasilika mit Hochchor, Krypta und Dreiapsidenabschluss (lombard. Einfluss). Wandmalereien in Chorjoch und Mittelapsis: 2. H. 12. Jh,, um 1500 teilweise übermalt. Erste Kirche: 7./8. Jh. Erstmals erwähnt: 762.

Schlosskirche Spiez

Amsoldingen, (St. Mauritius, Stiftskirche bis 1485), evang.-ref., rest. 1978-80
10. Jh. Ganz erhaltene frühromanische, dreischiffige Pfeilerbasilika mit Hochchor, Hallenkrypta und Dreiapsidenabschluss (lombard. Einfluss). Taufstein 1. D. 14. Jh. mit Flachreliefs besetzt. Erste Kirche: 7./8. Jh.

Kirche Amsoldingen

Wimmis (St. Martin), evang.-ref., rest. 1961-64 und 1983
Vor 1450 Umwandlung der dreischiffigen roman. Kirche mit Dreiapsidenabschluss aus dem 9. Jh. in eine Saalkirche. Wandmalereien vor 1450. Erste Kirche: 7./8. Jh.

Aeschi (St. Petrus), evang.-ref., rest. 1965/66 und 1972
10./11. Jh., frühromanischer Einapsidensaal, Apside um 1300 durch  Rechteck-Chor ersetzt. Chor-Wandmalereien 2. V. 14. Jh.

Thierachern (St. Martin), evang.-ref., rest. 1962/63
1706-08 Predigtsaal unter Beibehaltung der N- und W-Wand des romanischen Apsidensaals. Wandmalereien an der N-Wand 2. V. 15. Jh. Erste Kirche: romanisch.

Sigriswil (St. Gallus), evang.-ref., rest. 1957

1678/79 Predigtsaal mit polygonalem Chorabschluss unter Verwendung der N-Mauer und Teilen des Polygonalchors der Vorgängerkirche. Mosestafel von 1679. Wandmalereien: 14. Jh. Farbfenster von Robert Schär (+1973). Erste Kirche: 10./11. Jh.

 

Kirchen ohne sichtbar alte Bausubstanz


Frutigen (St. Martin), evang.-ref., rest. 1973/74

1295 und nach Brand 1727 durch Holzstützen in drei Schiffe unterteilte Halle mit dreiseitig geschlossenem Chor. Spruchbemalung von 1736. Wappenscheiben. Glasgemälde von Rudolf Münger (1899 & 1902) und Paul Zehnder (1939/40). Erste Kirche: 7. Jh.

Leissigen, evang.-ref., rest. 1973/74
1675 barocker Rechtecksaal mit Grisaillemalereien. Wappenscheiben. Kugeltaufbecken: 13. Jh. Erste Kirche: 9./10. Jh. 

Thun (St. Mauritius), evang.-ref., rest.
1967-69
1738 spätbarocker Predigtsaal und hochgotischer Turm (um 1325). Vorhalle  ausgemalt um 1430. Erste Kirche: 10. Jh.

Hilterfingen (St. Andreas), evang.-ref., rest. 1972/73
1727 Rechtecksaal. Mosestafel von 1731. Wappenscheiben. Passionszyklus von Hans Noll (+1493). Im Chor: Terrakotta von Walter Loosli. Vier Vorgängerkirchen. Erste Kirche: 7./8. Jh. 

 

Weitere sehenswerte alte Kirchen


Blumenstein (St. Nikolaus), evang.-ref., rest. 1972-75

Kurz nach 1300 eingezogener Polygonalchor, um 1505 spätgot. Schiff mit Holzpfosten. Bedeutende Glasmalereien: 14. Jh. Wandmalereien: 15. Jh. Erste Kirche: 11. Jh.

Reutigen (St. Maria), evang.-ref., rest. 1952/53
12./13. Jh. romanisch mit Rechteckchor. Reichhaltige Wandmalereien: 14./15. Jh. Glasgemälde von Robert Schär: 1937.

Erlenbach (St. Michael), evang.-ref.), rest. 1962-68/1983
13. Jh. grosser Apsidensaal. Bedeutendes Beispiel einer vollständig ausgemalten mittelalterlichen Kirche (15. Jh.). Erste Kirche: 11./12. Jh.

Därstetten (St. Maria), evang.-ref., rest. 1963-65

13. Jh. langgestreckter Apsidensaal, 15. Jh. Rechteckchor. Wandmalereien: 14. Jh. Erste Kirche: 12. Jh

Kleinhöchstetten (Unsere liebe Frau), evang.-ref., rest. 1962-65
10. Jh. Einziger im schweizerischen Mittelland erhaltener frühromanischer Apsidensaal mit Annexen. Wandmalereien 1438-41. Erste Kirche: 8. Jh.

Steffisburg (St. Stephan), evang.-ref., rest.
1980-83
1681 im Osten dreiseitig geschlossener Predigtsaal unter Einbezug des Haupt- und N-Nebenschiffs der dreischiffigen roman. Vorgängerkirche aus dem 11. Jh. und des romanischen Turms von 1320. Mosestafel von 1682. Chorfenster von Robert Schär: 1963. Erste Kirche: 7./8. Jh.

Meiringen (St. Michael), evang.-ref., rest. 1971-73
1683/84 weiträumige Halle mit drei Schiffen unter Verwendung von Mauern der Vorgängerkirche, Holztonne und hölzerne Rundpfeiler. Wandmalereien: 13. Jh. Glaubensbekenntnis- und Mosestafel von 1684. Achtung! Reste von acht Vorgängerbauten unter der heutigen Kirche zugänglich. Erste Kirche: 9./10. Jh. 

 

Kirchen aus dem 20. Jahrhundert


Thun (St. Martin), röm.-kath., 1971

Von Naef, Studer & Studer. Bedeutendes Beispiel eines modernen, wohlgestalteten Gottesdienstraumes, wo Schiff und Altarraum in einander übergehen.

Thun (Johannes), evang.-ref., 1967
Von Werner Küenzi. Quersaal-Kirche mit angebautem Saal. Kirchgemeinde- und Pfarrhaus. Separater Turm. Baustoff: Beton.

Thun (Dorf Allmendingen), evang.-ref., 1992
Von Silvia und Heinz Schenk. Ovaler Kirchenbau mit  frei stehendem Turm.

Faulensee (St. Columba), evang.-ref., 1963
Von Hans Dubach an der Stelle der früheren St. Columba-Kapelle. Glasmalerei von Alfred Gloor.

Spiez-Dorf, evang.-ref., 1907, rest. 1982
Von Hermann Weideli. Kraftvoller Heimatstilbau mit grossem Predigtsaal. Offener Dachstuhl.

Merligen, evang.-ref., 1937
Von Jacques Wipf. Kraftvoller Quaderbau aus lokalem Steinmaterial. Einfacher Saal mit Holzbalkendecke. Glas- und Wandmalerei von Fred Stauffer (1968).

© Michael Dähler 2009  

Kirche Merligen